Kelche von Fritz Schwerdt

Fritz Schwerdt hat zeitlebens Kelche geschaffen und fühlte sich dabei sowohl dem Funktionalen wie auch dem Künstlerischen verpflichtet. Nachfolgend stellen wir eine Auswahl seiner bekanntesten Kelche vor. Eine deutlich weitergehende Übersicht enthält der 200-seitige Katalog „FRITZ SCHWERDT – Moderne Sakralkunst aus vier Jahrzehnten”.

Kelch mit dem Bergkristallnodus,
auch: Fronleichnams-Kelch.
Entwurf/Ausführung 1929/1930; Silber vergoldet, Bergkristall.
St. Fronleichnam, Aachen.

Der Fronleichnamskelch – auch: Kelch mit dem Bergkristallnodus – ist eine der bekanntesten und am meisten veröffentlichten frühen Arbeiten von Fritz Schwerdt. Entwurf und Ausführung fielen in die Zeit, in der Fritz Schwerdt sich der sakralen Goldschmiedekunst zuwendete und im Zuge des Baus der Aachener Fronleichnamskirche weitere vier, konkret ausgeführte Entwürfe beisteuern konnte.


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Kelch mit dem Emailnodus.
Entstanden 1935; Silber vergoldet, durchsichtiger Zellenschmelz.
St. Fronleichnam, Aachen.

Beim Entwurf des Kelchs mit dem Email-Nodus stand der nur sechs Jahre ältere Fronleichnamskelch Pate. Unverändert geblieben ist der strenge Aufbau: ein flacher, breiter Standfuß, ein rein funktionales, gerades Schaftrohr mit einem Nodus sowie eine streng geometrisch gehaltene, schmucklose Kuppa.


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Kelch.
Entstanden 1934-1939; Silber vergoldet. Verbleib unbekannt.

Mit dem nur aus Fuß und Kuppa bestehenden Kelch präsentierte Schwerdt rund 5-10 Jahre nach seinem Fronleichnamskelch ein weiteres Werk, das durch eine aufs Wesentliche reduzierte Formgebung und den Verzicht jeglicher Schmuckelemente oder Symbolik besticht.


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Faltenkelch.
Entstanden 1956; handgeschlagen, Silber vergoldet. Hohe Domkirche, Domschatz, Trier.

Mit dem Faltenkelch schuf Fritz Schwerdt eine Sakralarbeit, die in äußerst zurückhaltender Weise Funktions- und Formelemente kombiniert und damit Schwerdts Anliegen, dass kirchliches Gerät auch schön sein darf, meisterhaft erfüllt. Die Außenhülle ist aus einer einzigen, durchgehenden Silberplatte handgeschlagen. Dieser Kelch gehört zu den unverwechselbaren Arbeiten aus Schwerdts Œuvre.


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Rom-Kelch mit dem Fisch.
Entstanden 1948/51; Silber vergoldet, Filigranemail.
Privatbesitz.

Mit dem Rom-Kelch schuf Schwerdt einen Kelchtypus, der dem bekannten, historischen Tassilo-Kelch (um 770) nachempfunden ist. Schwerdts Fassung gilt aber auch als Gegenentwurf zu seinem preisgekrönten Fronleichnamskelch von 1929. Ist jener hoch aufragend, streng funktional und fast schmucklos, so zeichnet den Rom-Kelch eine geschwungene, fast weiche Linienführung aus, und bei mehreren Variationen dieses Kelches wurden überdies schmückende Elemente eingesetzt – hier: ein Fisch-Symbol.


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Rom-Kelch mit dem emaillierten Nodus.
Entstanden um 1959; Silber vergoldet, Email. Ausführung Schwerdt&Förster. Domkapitel Aachen.

Eine weitere Variation des Rom-Kelchs, hier durch eine feingliedrige Emaillierung des Nodus‘ in den von Schwerdt bevorzugten Farbtönen Blau/Türkis.


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Silbergusskelch; auch: Montreal-Kelch.
Entstanden 1964; Silberguss, Kuppa innen vergoldet. Ausführung Schwerdt&Förster.

Mit diesem gegossenen Kelch, um den Jahreswechsel 1963/1964 entworfen, schuf Schwerdt einen seiner letzten unverwechselbaren Kelche: Die Oberfläche wird – bis auf den oberen Kelchrand – von einem netzartigen Ornament dominiert, das aus mäandernden Rändern und Furchen besteht, deren Plastizität durch die leicht raue Silberoberfläche und die natürlichen Schlagschatten besonders unterstrichen wird. Die Kelch-Silhouette ist in der Mitte eingeschnürt und bildet so einen natürlichen, nicht weiter gestalteten Nodus. Das Ornament passt sich dieser Einschnürung an, verjüngt sich und erscheint wie organisch gewachsen.


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Becherkelch.
Entstanden 1966; Silber vergoldet, Email. Ausführung Schwerdt&Förster.
Privatbesitz.

In den Jahren 1965 und 1966 schuf Schwerdt vier Kelche, die er selber als „einfache Trinkgefäße” bezeichnete, für die sich jedoch seit ihrer ersten Veröffentlichung der Begriff „Becherkelch“ durchgesetzt hatte.

Das rein Funktionale des emaillierten Becherkelchs wird unübersehbar durch die Dominanz der künstlerischen Gestaltung in den Hintergrund gedrängt. Die Emaillierung in kleinen, nach oben hin sacht größer werdenden Rauten – in den typisch Schwerdt’schen Blau-/Türkistönen – erhebt das Sakralgerät zu einem eigenständigen Kunstwerk und lässt die Funktion als Kelch regelrecht verblassen.


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Fotos: Fritz Schwerdt, Pit Siebigs(8)